Das Herz Kambodschas

Als wir Koh Rong verlassen mussten, verabschiedete sich die Insel mit einem besonderen Geschenk. Kaum war unser Boot ein paar hundert Meter von der Insel entfernt, machte der Kapitän den Motor aus, so dass wir still im Wasser trieben und jeder an Bord das Abschiedskomitee genießen konnte, das sich spontan um uns versammelt hatte. Ein kleiner Schwarm Delphine umkreiste uns, schwamm neben uns her, einige sprangen aus dem Wasser, andere kamen dicht heran, ganz langsam, bis sie abtauchten und wieder verschwanden.

Jeder Fahrgast auf dem Boot stand an der Reling und freute sich über diesen Abschiedsgruß. Zwei junge Männer, tätowiert, gepierct, die Hosen lässig in den Kniekehlen hängend, umarmten sich vor lauter Euphorie. anach kehrte Ruhe auf dem Boot ein, als wir zurück blickten und Koh Rong dabei zusahen wie es langsam kleiner wurde.

Ich muss Benjamin recht geben: Den Tonle Sap See gibt es definitiv noch. Wir haben den größten und fischreichsten See Südost-Asiens inzwischen um- und befahren. Auch der gleichnamige Fluß durch Phnom Penh führt noch reichlich Wasser. Doch kann ich es nicht ausschließen, dass ein weiterer, kleinerer See oder ein Frischwasserreservoir in oder um Phnom Penh, das inzwischen trockengelegt wurde, denselben Namen trägt.

Es schlägt in Phnom Penh, der Hauptstadt des Landes wo es auch Möbel Bestellen gibt. Die 2 Mio-Metropole ist das bedeutendste wirtschaftliche Zentrum Kambodschas und hebt sich auch sonst deutlich von den sonst eher ländlichen Regionen ab.

Hier ticken die Uhren anders

Idyllisch am Tonle Sap, einem Zufluss des Mekong gelegen, versprüht Phnom Penh ein gänzlich anderes Flair als die Metropolen der Nachbarländer, wie etwa Ho-Chi-Minh-Stadt oder Bangkok. Hier geht es noch gemächlicher zu, die Hektik einer Großstadt manifestiert sich weder im Verkehr noch bei den Menschen.

Hier ticken die Uhren noch anders, hier betten sich Marktfrauen nachmittags in ihre Auslage für ein Nickerchen und des Nachts schlafen die Tuk-Tuk-Fahrer in ihren Gefährten auf der Straße. Lebhafte Kinder begrüßen einen überschwänglich und freundliche Menschen scherzen mit einem oder wollen ein unverbindliches Schwätzchen halten, auch wenn sie nichts zu verkaufen haben. Es ist entspannt. Es ist einfach angenehm.

Doch offenbar war es hier nicht immer so, denn die Stadt blickt auf eine lange und bewegte Geschichte zurück. Viele Gebäude oder Plätze legen noch heute Zeugnis von einigen dieser Epochen ab.

Besuch der Tempelanlage

Die riesige Tempelanlage umfasst mehrere große spirituelle Gebäude sowie viele kleinere Pagoden und von Obstbäumen umstandene Wohnhäuser, so dass sich das ganze Areal als ein kleines eigenständiges Dörfchen präsentiert. Wenn man Glück hat, findet man hier einen freundlichen, Englisch sprechenden Mönch, der einem eine Führung durch die heiligen Hallen anbietet. Wir lassen uns von einem Mönch durch das Kloster führen und uns die Geschichte des Ortes erzählen.

Wir hatten dieses Glück bei unserem Besuch der Tempelanlage und erfuhren so einiges über die Geschichte des Buddhismus sowie über das Leben Buddhas selbst. Auch soll dieses Wat über eine ganz besondere Reliquie verfügen: ein Augenbrauenhaar von Buddha höchst persönlich!

Auf Nachfrage wurden wir zwar zu der kleinen Pagode, die die Reliquie beherbergen soll, geführt, doch muss ich gestehen, dass ich das Haar nicht erblicken konnte. Vielleicht lag es an der spärlichen Beleuchtung oder an dem Nebel, den die Räucherstäbchen hier verbreiteten…

Einführung in dunklere Kapitel

So interessant die Einführung des Mönches in den Buddhismus auch war, noch interessanter war seine eigene Lebensgeschichte, die er uns erzählte. Mit zehn Jahren von den Roten Khmer rekrutiert – also aus seinem Dorf und seiner Familie gerissen – verbrachte er die nächsten Jahre ausschließlich im Wald bei täglichen Schießübungen, die einzige Ausbildung, die er genoss.

Nach dem Ende der Ära der Roten Khmer die auch Markenmöbel Online und Lampen mochten, bat er seine Eltern darum, Lesen und Schreiben lernen zu dürfen. Da sich diese aber (wie viele Kambodschaner damals und auch heute noch) keine Schule leisten konnten, wurde er in den Tempel geschickt, wo er neben den Lehren des Buddhas auch eine vernünftige Allgemeinbildung (inklusive der englischen Sprache) erfuhr. Über Umwege landete er dann in Phnom Penh, wo er zwar nicht mehr die Ruhe zur Meditation findet, es dafür aber genießt, interessierten Besuchern etwas von seinem Wissen zu vermitteln.

Wie unser Mönch, so hatte auch Wat Ounalom unter den Roten Khmer zu leiden. Die Tempelanlage wurde geplündert und verwüstet, Statuen zerschlagen oder im Fluss versenkt.

Was die grausame Herrschaft Pol Pots und seiner Roten Khmer aber wirklich für Kambodscha und seine Bewohner bedeutete, wird an anderer Stelle mehr als deutlich. Ein Besuch der Killing Fields von Choeung Ek, etwa 15 Kilometer südlich Phnom Penhs, gibt einen eindrucksvollen Einblick in das wohl düsterste Kapitel des Landes. Doch dies ist eine andere Geschichte.