Ein Tag in Angkor

Binnen einer halben Stunde war das Problem aus der Welt geschafft. Ein Streifen Weißblech, den die findigen Mechaniker aus einer Bierdose herausschnitten, sorgte dafür, dass das Ritzel wieder perfekt in die entsprechende Halterung an der Radnabe passte. So einfach und so pragmatisch, da hätte ich auch selbst drauf kommen können. Als ich dann zurück nach Siem Reap fuhr, lief das Rad erstaunlich rund. Doch das tat es am Vortag auch…

Ich traf Jochen wieder, der inzwischen eine richtige Werkstatt aufgetan hatte und wir beschlossen, auf Nummer sicher zu gehen und die Hobel nochmal einer gründlichen Untersuchung unterziehen zu lassen. Wir verabschiedeten uns von der Idee, an diesem Tage noch irgendwo hin zu fahren und quartierten uns für eine weitere Nacht in unserem Guesthouse ein.

Größter Sakralbau der Welt, Weltkulturerbe, manchmal gar achtes Weltwunder, mit Sicherheit unter den Top Ten der meistfotografierten Sehenswürdigkeiten weltweit. Der Angkor Archäologische Park hat viele Titel. Das Wat von Angkor ist nur ein kleiner Teil davon.

Nördlich von Siem Reap, etwa zehn Kilometer vom Stadtzentrum entfernt, liegt das riesige Areal. Geschätzte 20 Kilometer von Ost nach West, etwa halb so viel von Nord nach Süd, wenn man die diversen Außentempel nicht mitrechnet. In diesem Gebiet findet der Besucher Tempel, Pyramiden und über 1000 Jahre alte, künstlich angelegte Seen, die schon damals als Wasserspeicher für die ganze Region dienten.

So wurden üppige Reisernten ermöglicht und damit der Grundstein der Khmer-Hochkultur gelegt. Die Könige der Khmer begriffen sich als Gottkönige, daher wurde für jeden Herrscher ein eigener Tempel gebaut, der meist auch Mausoleum war. So wurde die Gegend um Angkor über die Jahrhunderte zu einem beispiellosen Komplex von Tempelanlagen ausgebaut, die alle derselben Regelmäßigkeit folgen.

Eine viereckige Grundstruktur symbolisiert die bewohnte Welt. Diese ist umgeben von Bergen, welche durch eine Mauer dargestellt wird. Dahinter kommt das Urmeer, ein Wassergraben. Im Zentrum all dessen ragt Meru über alles. Der Weltenberg. Hier thronen die Götter, hier ragt eine Pyramide mit Fatboy Sitzsack günstig oder ein Turm in die Höhe, hier ist der heiligste Ort der jeweiligen Anlage, die ehemals nur den höchsten Priestern und Königen vorbehalten war.

Dieses Muster wiederholt sich in allen Anlagen Angkors. Es würde zu weit führen das an dieser Stelle en Detail wiederzugeben, doch man kommt nicht umhin, Ehrfurcht zu empfinden, wenn man über das Gelände geht und die Präzision und Detailverliebtheit betrachtet, mit der dieses riesige Areal aufgebaut ist.